Meine musik IV
Day 04: A Song that makes you sad
Linkin’ Park: Numb
Wenn menschen traurig sind, gibt es für sie zwei verschiedene möglichkeiten zu reagieren. Entweder sie tun alles um sich selbst wieder aufzubauen oder sie versenken sich mit der musik noch weiter in die tiefen der melancholie. Ich gehöre zur zweiten sorte.
So wie es viele lieder gibt, die mich glücklich machen, gibt es noch viel mehr lieder, die genau das gegenteil bewirken. Das sind lieder, die aspekte meine lebens widerspiegeln, mit denen ich selbst unzufrieden bin und die ich kaum ändern kann, aus den verschiedensten gründen.
Eine große sorge von mir ist schon immer gewesen, zu angepasst zu werden und nicht mehr individuell zu bleiben. Dass ich mich der breiten masse anschließe anstatt meinen kopf zu benutzen und eigene wege zu gehen.
Two roads diverged in a wood, and I
I took the one less traveled by
And that has made all the difference
Robert Frost: The Road Not Taken
Den weniger betretenen weg zu wählen ist immer ein risiko. Die meisten leser_innen interpretieren dieses wunderbare gedicht von Robert Frost meines erachtens viel zu positiv, schließlich impliziert kein einziger vers, dass das lyrische ich die richtige entscheidung getroffen hat, diesen weg zu wählen. Die conclusio ist lediglich die, dass diese entscheidung den unterschied ausgemacht hat. Klar ist, dass dieser weniger bereiste weg der schwierigere ist. Es gibt weniger fußspuren, weniger landkarten, weniger hinweise, die auf das ziel dieses weges aufmerksam machen.
Doch an diesem punkt kommt für mich die berühmte weisheit “der weg ist das ziel” ins spiel. Auf dem langen lebensweg gibt es für uns menschen, wie für alle anderen lebewesen auch, nur ein ziel und das ist der tod. Egal welchen weg wir nehmen, es läuft alles darauf hinaus, dass wir diese welt verlassen. Was danach kommt, ist sache der eigenen überzeugung. Ob ich an eine himmlische auferstehung glaube, an eine wiedergeburt, das eins werden mit raum und zeit. Vielleicht auch gar nichts davon; eine andere obskure vorstellung von dem jenseits oder das absolute ende des lebens, verscharrt unter der erde als asche oder im sarg liegend.
Den unterschied macht es, wie wir dahin kommen. Ob wir unser leben in die hände anderer, der medien, der heilsbringer überstellen oder ob wir unsere verantwortung gegenüber unserer eigenen würde ernst nehmen und unser leben selbst in die hand nehmen, mit allen höhen und tiefen. Es macht einen unterschied, ob wir auf dem schiff die rolle des passagiers, vielleicht sogar des blinden, oder die rolle des kapitäns einnehmen. Aber ich glaube nicht, dass wenn ich bin “what you [oder jemand anders] want me to be”, der job als kapitän meines schiffes noch frei für mich ist.
Mich erinnert dieses lied daran, wie schnell wir uns selbst verlieren; wie schnell ich mich selbst verliere. Es ist ein schatten, der hinter jeder ecke lauert, der mich von mir selbst entfremden will. Ich will diesem schatten keinen raum geben, will die zügel selbst in der hand behalten.
Schließlich muss ich am ende nur mir selbst rechenschaft ablegen, ob ich für mich richtig gelebt habe. Das kann mir niemand abnehmen.